Auf dem Weg in die Gesellschaft der Hundertjährigen
Ein Wochenendseminar vom 24. bis 26.02 2006
in der Akademie Biggesee.
Als neuer Referent im Dienste der Akademie und für die IMV Bielefeld war
Udo Dittmann diesmal der Tagungsleiter. Über die
Finanzierung von
Krankheit referierte
Andreas Ufer von der BEK.
Durch dieses Thema mit dem, für Senioren, recht hoffnungsvollen Namen,
arbeiteten sich 24 Teilnehmer an diesem Wochenende
hindurch.
Das Interesse der
Jugend, die durch das Umlageverfahren sowohl die jetzigen
Senioren, als auch die eigene Altersversorgung schultern und aufbringen muss,
war enttäuschend, nämlich gleich null.
Zur Einführung wurden erst einmal einige Begriffe und Schlagwörter
angesprochen.
Was heißt z.B. Demografische
Entwicklung oder Demografische Herausforderung?
Sind das nur Umschreibungen für „Vergreisung der Gesellschaft“ oder
den „Krieg der Generationen“
oder bedeutet es gar den „Kollaps der Sozialsysteme“?
Kaum ein Thema ist mit so vielen Gefühlen und Vorurteilen belastet
wie die Frage
nach unserem künftigen
Zusammenleben in den verschiedenen Generationen.
Grundsätzlich angesprochen ist dabei natürlich die Bevölkerungsentwicklung
mit ihren Folgen:
Älterwerden – gestern – heute und morgen.
Erfüllt sich
der Traum vom Jungbrunnen oder nicht?
Wie sieht die Faktenlage
aus? Woher weiß man wohin die Entwicklung geht?
Die seit Anfang des 19. Jhdt. erfassten Bevölkerungszahlen signalisieren
uns
für Deutschland
und Europa einen ständigen Rückgang der Geburten und
damit an Kindern
und Jugendlichen, während gleichzeitig der
Anteil der über
60-jährigen steigt. Im Klartext: es werden seit 1972 jedes
Jahr weniger Kinder
geboren als Menschen sterben.
Der Bevölkerungsrückgang ist damit vorprogrammiert und keine Hellseherei
mehr,
denn die Kinder, die bis heute
nicht geboren wurden, können auch keine Kinder zeugen.
Die (arbeitende) Bevölkerung sinkt langsam aber sicher.
Die Gründe dafür sind vielfältig: da ist der Wandel im Zusammenleben
der Familien in den
letzten 50 Jahren, eine höhere Erwerbstätigkeit der Frauen
und der Trend zur
bzw. die gesellschaftliche Akzeptanz von Kinderlosigkeit
und Einkinderhaushalten.
Und ganz generell, der Wandel von der Industrie zur
Dienstleistungsgesellschaft.Die
ständig zunehmende Lebenserwartung,
verbunden mit dem
Rückgang der sozialversicherten Berufstätigen, verstärkt
diese Entwicklung
so erheblich, dass für die Finanzierung der sozialen Sicherungs-Systeme,
wie Krankheit und Rente, allergrößte Gefahr
besteht. Fakt ist, dass die Verhältnisse
von Beitragszahlern zu Rentnern sich so ungünstig entwickelt haben, dass
zur
Aufbringung der Renten
immer größere Anstrengungen erforderlich sind, ja schon
eine beträchtliche Lücke klaff, die durch
Hauhaltsmittel des Bundes gestopft
werden muss. Die
Chance zu einer gründlichen Rentenreform wurde leider
anlässlich der
Wende 1989/90 aus politischen Gründen nicht genutzt.
Das Gleiche trifft auch auf die Finanzierung von Krankheit zu.
Durch bessere Medizin
und gesündere Lebensweise, abgesehen von den
Menschen im magischen
Dreieck zwischen Kühlschrank, Couch und Fernseher,
steigt die Lebenserwartung erfreulicherweise steil an. Parallel dazu natürlich
auch
die Kosten. Wobei
tröstlich anzumerken ist, das die älteren Menschen zwar durch
die längere
Lebensdauer bedingt, auch längere Zeit Kosten verursachen, die aber
im allgemeinen und
vergleichbaren Rahmen liegen. Lediglich in den letzten zwei
Jahren vor dem Ableben
steigen die Krankheitskosten überdimensional an.
Wie kann bzw. soll man dieser Entwicklung gegensteuern? Da die Ausbildungsdauer
in Deutschland im europäischen Vergleich unverhältnismäßig
lang ist, ohne besser
zu sein, sollte hier
der erste Hebel angesetzt werden. Ein späterer Rentenzugang wie
er jetzt im Gespräch;
aber nicht ausreichend ist, wäre eine weitere
Gegensteuerungsmaßnahme.
Schließlich wird eine verstärkte Migration von mind.
500 000 Personen
p.a. ab dem Jahr 2030 nötig sein um die größten Lücken
zu schließen.
Die Politik ist aufgerufen, Maßnahmen zur Gegensteuerung einzuleiten.
Und wenn,
so waren sich die
Teilnehmer einig, das jetzt im Zuge der Großen Koalition nicht
gelingt wird Deutschland
weiter an Boden verlieren und möglicherweise in einer großen Krise
enden.
Klaus Vogler, 27.02.2006.
